Jazz, Schubert und eine Meeresschnecke

Jazz, Schubert und eine Meeresschnecke

Wie klingt ein Meeresschneckenhorn der Chavin-Kultur aus dem peruanischen Hochland? Der Posaunist Michael Flury lässt am Stufenanlass «Unerhörtes auf die Ohren», einem Gesprächskonzert für SPF/WF Musik 4. Klassen, die Replika dieses dreitausendjährigen Instruments in der Aula der KUS erklingen. Faszinierende Mikrotonalitäten vibrieren in unseren Ohren auf und ab, es ist, als ob wir für einen Moment in den Tempelanlagen der damaligen Hochkultur stehen würden.

Flury erzählt von seinem Projekt für das Museum Rietberg, seiner Begeisterung für alles, was Musik ist, egal welche Sparte, welche Zeit. Mit der international erfolgreichen Pianistin Simone Keller verbindet ihn genau diese Offenheit und das Interesse für das Neue, das noch Unbekannte. Sie kommt ursprünglich aus der Klassik, er aus dem Pop und Jazz, hat jahrelang mit Sophie Hunger gearbeitet.

Simone Keller erzählt im Gespräch, wie sie sich für marginalisierte Hörerschaften (z. B. im Gefängnis), aber auch für zu Unrecht vergessene Komponisten und Komponistinnen einsetze. So erklingt z. B. eine Komposition von Lil Hardin Armstrong, die nicht nur Ehefrau von Louis Armstrong, sondern auch eine sehr begabte Jazzmusikerin gewesen sein muss. Andere, ebenfalls übersehene Komponistinnen wie Julia Perry erklingen, umrahmt von Schubertliedern, neu für Posaune arrangiert. «Wir mögen es, verschiedene Stile nebeneinanderzustellen, sie zu kombinieren, ohne zu bewerten», meint Keller. Genauso lieben es die beiden, Bögen über die Jahrtausende zu schlagen. Nach der Meeresschnecke erklingt «Haos», eine Komposition des zeitgenössischen Komponisten Christophe Bertand für Klavier solo. «Ihr werdet vielleicht 11 Minuten leiden und es schrecklich finden», warnt Simone. Aber als die ersten Töne erklingen, wird es mucksmäuschenstill im Saal. Was sich da für seltsame, faszinierende Räume auftun, mit Präzision gemeisselt oder hingetupft, ist schlicht hinreissend. Das Publikum dankt es mit tosendem Applaus. Wer bis dahin unter der Hitze gelitten hat und vielleicht am Wegdösen war, ist nun definitiv wieder wach. 

Vielen Dank unseren beiden Gästen für dieses bereichernde Gesprächskonzert!